1987 bis 1992 PDF Drucken E-Mail

von Hans Zenker
 
Die Aufgabe, über die Zeit zwischen dem 125-jährigen und dem 150-jahrigen Jubiläum unseres Gesangvereins eine Chronik zu schreiben, fällt mir nicht leicht. Ich war von 1977 bis 1998 selbst Vorstand dieses Vereins. Da hat mich das, was uns in dieser Zeit bewegt hat natürlich viel unmittelbarer betroffen, als einen neutralen Beobachter. Trotzdem will ich versuchen, so knapp und so objektiv wie möglich zu berichten.

Abschied vom reinen Männerchor

Beginnen will ich mit einem kurzen Rückblick auf das Fest zum 125-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1987. Das war eigentlich ein Jahr zu spät. Bei einem Gründungsjahr 1861 waren die 125 Jahre schon 1986 erreicht. Aber 1986 war Friolzheim wegen umfangreicher Renovierungsmaßnahmen eine große Baustelle. Da hätte sich der geplante Umzug über aufgerissene Straßen hinweg und durch Absperrungsgitter hindurch winden müssen. Dann lieber 1 Jahr später!
Da wurde das Jubiläum zu einem wirklich großen Fest. Nicht nur für uns sondern für die ganze Gemeinde Friolzheim. Gefeiert wurde vom 27. bis 29. Juni 1987. Ganz im alten Stil:
mit Festplatz, Festzelt, Festumzug, Festgottesdienst, Festbuch, mit Freundschaftssingen, Heimatabend, Kinderfest und allem was sonst noch dazu gehört.
Am 10. Oktober 1987 folgte noch ein Abschlusskonzert in der Friolzheimer Festhalle, im Rahmen der Gauchortage des Kepler-Gaus zusammen mit anderen Chören aus dem Kepler-Gau. Für uns Friolzheimer Sänger wurde das Fest zu einem Erfolg, von dem wir noch lange gezehrt haben und an den wir uns heute noch gerne zurückerinnern.

Wie ging es dann weiter ? Natürlich folgten auf das Jahr der großen Anstrengung zunächst Jahre des „Ausschnaufens“. Der normale Singstundenbetrieb und die üblichen Vereinsaktivitäten gingen weiter, vermehrt um die Gegenbesuche bei all den Vereinen, die auch unser Jubiläum besucht hatten. Zu den Gegenbesuchen gehörte auch ein Ausflug nach Seeham im Salzburger Land. Die Musikkapelle aus Seeham hatte unser Fest und vor allem den Umzug sehr bereichert. Aus dem Jahr 1988 ist noch ein gut gelungenes Konzert zu erwähnen, das wir am 25. Oktober zusammen mit dem Schulchor der Grundschule im Saal des Katholischen Gemeindezentrums in Friolzheim aufführten. Andere besondere Aktivitäten unseres Vereins in den Jahren 1988 bis 1990 weiß ich nicht zu berichten.
Vielleicht überstrahlten die unerwarteten weltpolitischen Veränderungen in diesen Jahren alles andere.

Erwähnenswert für die Chronik unseres Vereins sind die Gedanken, die wir uns damals über die Zukunft unseres Vereins machten:

Ich zitiere einige Stichworte aus meinem Merkzettel zu dem Bericht des Vorstandes bei der Mitgliederversammlung am 10. März 1990:

  • geringer Singstundenbesuch
  • altersmäßige Zusammensetzung des Chores
  • junge Sänger in ausreichender Zahl offensichtlich nicht zu werben.
  • Ende des Männerchores deshalb abzusehen
  • Wunder sind nicht ausgeschlossen aber selten
  • welche Möglichkeiten gibt es den Verein zu erhalten ?

Noch war der Bestand des Vereins nicht gefährdet aber es war Zeit vorzusorgen.

Hinzu kam noch, dass uns unser Chorleiter Arnold Thiery seinen Abschied ankündigen musste. Er war Lehrer an einer Schule, die seine Qualitäten als Chorleiter verständlicherweise mehr für den Schulchor nutzen wollte. Herr Thiery leitete unseren Männerchor noch bis zum Herbst 1990. Wir bedauerten seinen Abschied sehr; mussten aber seine Gründe dafür voll anerkennen.

Damit stand unser Verein vor 2 Aufgaben:

  • einen neuen Chorleiter zu engagieren und
  • neue Sänger zu werben

Die Suche nach einem neuen Chorleiter führte relativ schnell zu einem Ergebnis. Uns wurde ein junger Organist empfohlen, der eine Stelle als Chorleiter suchte. Wir wurden uns mit ihm – Herrn Vinzenz Krol – schnell einig. Er führte nach dem Ausscheiden von Herrn Thiery unseren Singstundenbetrieb fort, leitete unseren Chor bei seinen Auftritten und engagierte sich auch bei anderen Aktivitäten des Vereins. Sicher werden sich noch einige von uns an ihn erinnern und an seine Drehorgel die er manchmal – bei passenden Anlässen – als besonderen Gag mitbrachte.

Schwieriger und mühsamer war die Werbung neuer Sänger. Sie begann mit Debatten:
Sollten wir bei der Werbung nur männliche Interessenten ansprechen oder auch weibliche und dann – bei entsprechendem Erfolg – die Umwandlung unseres Männerchores in einen gemischten Chor in Kauf nehmen?
Wir einigten uns auf den 2. Weg, mit der Vorgabe, dass der Männerchor auf alle Fälle singfähig erhalten bleiben müsse.

Gemischter Chor
unter der musikalischen Leitung von Hans Dieter Schulz

Wir starteten zu Anfang des Jahres 1991 eine intensive und umfangreiche Werbeaktion. An dessen Ende gab es 33 Interessenten, 4 männliche und 29 weibliche, die uns nicht nur mit guten Ratschlägen und guten Wünschen helfen wollten, sondern auch bereit waren, als Sänger oder Sängerinnen in unserem Chor mitzusingen. Dieses Werbeergebnis entschied auch die vorangegangene Debatte. Nur wenige Sänger, die sich gar nicht für das Singen in einem gemischten Chor erwärmen konnten, verließen uns. Bei weitem die meisten Mitglieder stimmten bei der Mitgliederversammlung am 02. März 1991 der Gründung eines gemischten Chores zu.

Die erste Singstunde des gemischten Chores fand am 05. April 1991 statt.

Die ersten Schritte des gemischten Chores waren ein Fehlstart. Der Chor konnte sich mit unserem neuen Chorleiter nicht recht anfreunden und ich selbst habe die wachsende Unzufriedenheit damals nicht recht mitbekommen. Ich weiß bis heute nicht genau, wie es dazu kam. Jedenfalls stand ich plötzlich – für mich unerwartet – vor der Alternative, dem jungen Herrn Krol zu kündigen und einen neuen Chorleiter zu engagieren, oder in kauf zu nehmen, dass von den eben erst gewonnenen Sängerinnen und Sängern mehrere wieder abspringen würden. Ich konnte mich im Interesse des Chores nur für die erste Alternative entscheiden, aber es tut mir heute noch Leid, dass ich Herrn Krol durch die plötzliche Kündigung kränken musste.

Für den Chor erwies sich der fliegende Chorleiterwechsel als Glücksfall. Der neue Chorleiter Herr Dieter Schulz war von Beruf Lehrer und hatte pädagogisches Geschick. In den Singstunden konnte er die Sympathie des Chores gewinnen. Trotzdem verstand er es, den Chor auch zu fordern. Er übernahm sofort die Aufgabe, uns im Oktober 1991 bei einem auswärtigen Auftritt zu dirigieren, zu dem uns ein Chor aus der Gegend von Donauwörth schon vor längerer Zeit eingeladen hatte. Aus heutiger Sicht markiert dieser Auftritt den eigentlichen Beginn für die Entwicklung unseres gemischten Chores. Meine Erinnerung an diesen Auftritt ist trotzdem verblasst. Erinnern kann ich mich noch an die merkwürdigen Namen der kleinen Orte, wo wir zu Übernachtung einquartiert waren. Der eine heißt Ober-, der andere Unter-Magerbein und ein Burg-Magerbein gibt es dort auch noch.

Die Zusammenarbeit mit dem Chorleiter Dieter Schulz, die mit dem Auftritt in Tapfheim bei Donauwörth begann, war in der folgenden Zeit über Erwarten erfolgreich. Er verstand es, die Sängerinnen und Sänger zu motivieren und die Singstunden so zu gestalten, dass sich auch die Freude am Singen einstellen konnte, ohne die ein Chor nicht gut singen kann.

Bevor ich auf die Entwicklung des gemischten Chores eingehe muss ich noch über die Mitgliederversammlung am 07. März 1992 berichten. Denn durch die Beschlüsse bei dieser Versammlung wurde die Eingliederung der Sängerinnen in den bisherigen Männerverein gewissermaßen amtlich vollzogen. Die Bestimmungen in unserer Satzung wurden entsprechend angepasst. In unserem Vereinsnamen wurde die Bezeichnung „Männergesangverein“ gestrichen. Seitdem lautet der amtliche Name unseres Vereins „Liederkranz Friolzheim 1861 e.V.“
Bei der Abstimmung über die Satzungsänderung stimmten alle 60 wahlberechtigten Versammlungsteilnehmer mit „ja“.

Nachdem die Satzung verabschiedet war, trat – wie vorher vereinbart – die gesamte Vereinsführung zurück, um allen anwesenden Mitgliedern – auch den neu eingetretenen Sängerinnen – die Möglichkeit zu einer Neuwahl der Vereinsführung zu geben.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Neuwahl waren:

Erster Vorstand
Wiederwahl von Hans Zenker
Zweiter Vorstand
Otto Späth
Schriftführer
Hannelore Lude
Kassier Wiederwahl von Frau Alice Gauß, die als langjähriges passives Mitglied dieses Amt inne hatte

Unter den neugewählten 10 Ausschuß-Beisitzern waren nach der Wahl drei weibliche und sieben männliche Mitglieder.

Die Wahl des zweiten Vorstands erforderte zwei Wahlgänge. Viele Mitglieder haben damals sehr bedauert, dass sich der Amtsinhaber, Herr Arthur Bögershausen, nicht wieder zur Wahl stellte. Ich selbst habe das auch bedauert, denn ich hatte in den Jahren zuvor sehr gerne mit ihm zusammen gearbeitet. Alle die es miterlebt haben werden seine humorvollen Auftritte als Weihnachtsmann bei unseren Weihnachtsfeiern nicht vergessen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 13. Januar 2011 um 13:13 Uhr