1920 bis 1961 PDF Drucken E-Mail

Es vergingen 6 Jahre, ehe - 1920 - wieder regelmäßige Singstunden abgehalten werden konnten. Der Chronist vermeldet aus dieser Zeit 42 aktive und 11 passive Mitglieder. Die folgenden Jahre waren für den Verein nicht leicht. Wie schon so oft, hatte er wieder "finanzielle" Sorgen. Doch hielt ihn das nicht davon ab, Sängerfeste in den umliegenenden Ortschaften zu besuchen. Die Vereinsmitglieder trugen die Auslagen für Fahrt und Verköstigung meist selbst.

1924 trat der Liederkranz Friolzheim dem Schwäbischen Sängerbund bei.

Kurioserweise verfügte der Verein 1923 über 2.603.531.293.755 Mark (2,6 Bill. !!) Gesamteinnahmen und - 1926 war die Kasse leer ! In diesen Tatsachen spiegelt sich die damalige allgemeine Wirtschaftslage, die von Inflation und Arbeitlosigkeit gepägt war. Dessen ungeachtet erzielten die Sänger des Liederkranzes bei Wertungs- und Preissingen schöne Erfolge. Groß war die Freude, als sie sich in Serres den I. Preis erstritten. Von Ditzingen brachten sie (1926) einen I c-, von Malmsheim (1927) einen II. Preis mit nach Hause.

Die immer drückender werdene Not, die sich in den 30er Jahren in unserem Land ausbreitete, hinterließ auch beim Gesangverein ihre Spuren. Die Zahl der Mitglieder wurde ständig kleiner. Man befaßte sich mit dem Gedanken, sich mit dem ansässigen Turn- und Fußballverein zu einem Kulturverein zu vereinigen. Die Fusion kam jedoch nicht zustande.

1935 sollte der Gesangverein nach dem Willen der Beauftragten der nationalsozialistischen Regierung in einen gemischten "Kraft-durch-Freude-Chor" umgewandelt werden. Nur der Standhaftigkeit der Vereinsführung war es zu verdanken, dass diese gefährliche Klippe glücklich umschifft wurde.

In der Folgezeit konnte der Chronist wieder von einer Aufwärtsentwicklung berichten. Gartenfeste und Abendunterhaltungen wurden veranstaltet. Zu den verschiedensten Anlässen wurde der Verein um Mitwirkung gebeten. Vor allem sang er seinen Mitgliedern bei der Trauung und geleitet seine Verstorbenen zu letzten Ruhe.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges erhielten die meisten der jungen Sänger die Einberufung zur Wehrmacht. Wenn auch der Chor immer mehr zusammenschmolz, wurden die regelmäßigen Singstunden zunächst noch nicht aufgegeben. 1941 starb der erste Sänger den 'Heldentod'. Immer häufiger trafen nun die bitteren Todesnachrichten ein. Der Liederkranz ließ es sich nicht nehmen, bei jeder Trauerfeier für einen Gefallenen mitzuwirken. Als der Dirigent ins Feld mußte, trat Herr Karl Seitter, Gießer, an seine Stelle. Im Februar 1945 sang der Chor zum letzten Mal.

Genau 1 Jahr später fand auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Jetter eine Versammlung mit dem Ziel statt, den Liederkranz zu neuem Leben zu erwecken. 35 Personen ließen sich noch am gleichen Tag in die Mitgliedsliste eintragen.

28.Februar 1946.
Herrn
        Albert L A U S E R

                    F r i o l z e h e i m
                                  
                           
 
         Die Militär-Regierung hat über den Herrn
Landrat in Leonberg die Gründung des Gesangvereins
Liederkranz mit den Herren Albert LAUSER Vorstand,
Karl RAMSAYER II Vorstand, Karl MÜLLER Schrift-
führer und Erwin CONLE Kassier genehmigt und da-
mit den Verein als rechtmässige Körperschaft be-
stätigt. Anlässlich dieser Bestätigung bitte ich
darum, dass der Verein in der Zukunft seiner Be-
rufung, Pflege des deutschen Liedes und damit Be-
reicherung des kulturellen Lebens unserer Gemeinde,
im hohen Bewusstsein der Notwendigkeit dieser Auf-
gaben nachkommt und vor allem edle Begeisterung sie
erhalte, um so den Namen der Gemeinde würdig zu ver-
treten.

                                     Bürgermeister :




Seither kann der Männergesangverein Friolzheim eine stete Aufwärtsentwicklung verzeichnen.

Im Jahre 1950 trat er erneut dem Schwäbischen Sängerbund bei.

Fast das ganze Dorf beteiligte sich an dem Fest, das der Liederkranz 1951 anläßlich seines 90jährigen Bestehens ausrichtete.

Gleichzeitig wurde die 2. Fahne entrollt.
phoca_thumb_m_Fahne-1951-vorne
Es gab nun kaum noch ein Sängerfest in der Umgebung, zu dem unser Verein nicht geladen wurde, und so blieb es bis zum heuten Tag. Besonders zu den Gesang vereinen in Tiefenbronn, Wimsheim und Mönsheim wurden freundschaftliche Beziehungen geknüpft. Diese herzliche Verbundenheit kam nicht zuletzt darin zum Ausdruck, dass diese Chöre auf verschiedenen Festen gemeinsam mit den Friolzheimern Lieder vortrugen (u.a. 1958 beim Gauliederfest in Weissach und 1959 beim Jubiläum in Tiefenbronn).

Nach dem letzten Krieg führte der Verein fast alljährlich einen Ausflug durch. Auf Fahrten durch unser schönes "Ländle" lernten wir nicht nur manches herrliche Fleckchen Erde kenne, sie vertieften auch die Kameradschaft der Sänger untereinander.

Die in zwangloser Folge veranstalteten Familienabende und -nachmittage fanden großen Anklang, insbesondere bei den Ehefrauen der Mitglieder. Dieses gemütliche Beisammensein warb im Stillen bei den Frauen um Verständnis für die Vereinsarbeit. Sicher drückten die meisten in der Folgezeit beide Augen zu, wenn der Gemahl durch seinen Dienst am deutschen Lied so manchen Sonntag oder Abend im Kreise seiner Familie fehlte, oder wenn er nach der Singstunde noch gemütlich ein "Viertele schlotzt" und darum einmal länger ausblieb als gewohnt.




Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 07. Januar 2011 um 15:01 Uhr
 
 

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung. .

Ok, ich stimme zu.
EU Cookie Directive plugin by www.channeldigital.co.uk